Santiago de Cuba

Der Viazul Bus nach Santiago de Cuba fuhr am 10. November 2017 um 8.45 Uhr vom Terminal in Baracoa ab. Wir mussten aber schon eine Stunde vorher dort sein, denn als wir unsere Fahrkarten schon am Vortag kaufen wollten, hatten wir unsere Reisepässe nicht mitgebracht und man uns die Fahrkarten nicht verkauft.
Also erschienen wir um kurz vor 8 Uhr (um den besten Eindruck vom Land zu haben, muss man sich an die Eigenarten des Landes anpassen 😉 ) am Busbahnhof und kauften unsere Fahrkarten für CUC 15. Danach mussten wir unsere Rucksäcke zum Einchecken aufgeben; da mein Rucksack genau 2 kg schwerer als 20 kg war, musste ich tatsächlich CUC 1 bezahlen, auch wenn der Bus nur zur Hälfte voll war. Der Mann lachte nur schäbig, als ich nochmal nachfragte, ob das auch wirklich so ist…… Also bezahlte ich und wir warteten, bis es endlich Zeit war in den Bus zu steigen. Der Busfahrer, selbsternannter Gott und Adonis, hatte kurz vorher zwei weisse Mädels zurückgepfiffen, weil sie in den Bus einsteigen wollten.
Wir fuhren tatsächlich pünktlich ab und waren sogar eine halbe Stunde vor der Zeit, also schon um 13 Uhr in Santiago de Cuba. Hier ausgestiegen, wurden wir sofort mit Anfragen über Taxis und Unterkünfte überhäuft. Wir hatten uns jedoch eine Casa Particulares aus dem Reiseführer ausgesucht und machten uns auf den Weg dahin. Es war wiedermal sehr heiss und daher beschlossen wir ein Fahrradtaxi zu nehmen. Wir dachten zuerst, dass es platztechnisch nicht möglich ist mit zwei Passagieren inklusive 4 Rucksäcken da rauf zu steigen. Aber wo ein Wille, da ein Gepäckträger und so hat der Fahrer meinen Rucksack aussen befestigt, Magdas Rucksack haben wir zwischen unsere Beine, die zwei kleinen Rucksäcke auf die Knie genommen und so ging es zur ‚Lola‘. Als wir dort klingelten, machte uns ein etwas abwesender Mann die Tür auf; er schaute aus, als wenn er sich gerade mit Drogen und Alkohol vollgestopft hätte. Wir haben nicht im Voraus gebucht, also fragten wir ihn, ob es noch freie Zimmer gibt. In dem Moment kam auch eine ‚Lola’, die ein bisschen wie eine ‚Lolita’ aussah und erklärte uns, dass sie noch ein Zimmer frei hätte, aber wir bis abends um 20 Uhr darauf warten müssen. Die Vormieter würden erst abends abfahren und hätten ihre Sachen noch im Zimmer drin. Als ‚Lola‘ merkte, dass wir nicht so begeistert waren, bot sie uns an beim Nachbar auf der anderen Straßenseite anzurufen, ob es dort noch freie Zimmer gäbe. Wir hatten Glück und nach kurzen Verhandlungen haben wir das Zimmer für CUC 15 pro Nacht für uns beide bekommen (Lola wollte CUC 20), ebenfalls ohne Frühstück, aber für CUC 5 kann man schon ein gutes Frühstück finden. Ursprünglich gab es im Zimmer nur ein Bett, wir haben sogar noch ein zweites hereingestellt bekommen und auch wenn das Bad nur einen Vorhang statt einer Tür hatte, war es fast gemütlich hier.

Nach einer kurzen Erfrischung gingen wir in die Stadt, weil wir Hunger hatten und aßen wohl eine der schlechtesten Pizzas des Universums. Sie hatte keinen Geschmack, die Wurst, die drauf war, war einfach nur ekelig, das Hähnchen trocken, die Tomaten und der Käse schmeckten fad und nur nach Fett. Die Esskultur hier in Kuba scheint sich auch größtenteils auf Fastfood zu beschränken, also war es ein wenig schwierig etwas anderes als Reis mit Hähnchen oder Fastfood zu finden; wir haben uns für Pizza entschieden, weil sie günstig war und auf den Tellern der anderen schmackhaft aussah. Nun ja, man kann sich eben täuschen.

Da es schon knapp 16 Uhr war, haben wir beschlossen uns nur ein wenig in der Nachbarschaft umzusehen und uns dann für die Nacht vorzubereiten. Wir gingen heute aus; es hiess, dass Santiago gut dafür sei und da es gerade Freitag war, war es der ideale Zeitpunkt zum Ausgehen. Nachdem wir ein paar Pläne geschmiedet haben, wohin wir gehen sollten, haben wir mit einem Cuba-Libre in einer Bar in der Fußgängerzone angefangen. Es dauerte genau 5 Minuten, bis der Kellner uns nicht nur danach fragte, ob unsere Getränke in Ordnung seien, aber auch eine Tour durch Santiago für den nächsten Tag anbot. Wir haben gesagt, wir würden darüber nachdenken in der Hoffnung, dass er es vergessen würde. Als wir bezahlt haben, bewies er fantastisches Erinnerungsvermögen, aber wir lehnten ab. In der Zwischenzeit kam ein anderer Herr von der Straße sogar all die Treppen zu uns hoch, nur um uns ein wenig nach unseren Plänen für die Nacht auszufragen und uns ein paar gute Clubs, Drogen und Sex anzubieten …… Eine sehr aufdringliche und offensive Art jemanden anzubaggern.

Von hier aus gingen wir einfach nur die Strasse runter und kamen am ‚Casa de Queso’ (Käsehaus) an. Der Name klang für uns zuerst eher nach Essen, aber als wir sahen, dass dort Live-Musik gespielt wurde, bezahlten wir gerne CUC 1 Eintritt pro Person, bestellten uns einen Cuba-Libre und genossen die Musik. Dabei fiel uns eine Gruppe weißer, älterer Herren auf, die mitten im Lokal zusammen mit kubanischen Damen der Musik lauschten und sie immer wieder betatschten. Leider ein Bild, das man hier in Santiago oft sieht. In dem Moment schämten wir uns, dass wir weiss waren. Die Damen waren erwachsen und wussten, was sie da taten, aber schon traurig, dass die Herren sowas unterstützen müssen…..
Nach einigen weiteren Musikstücken gingen wir weiter; in ein Tanzlokal namens St. Pauli und dort verbrachten wir den Rest des Abends/Nacht und tanzten bis sich die Balken bogen zu Salsa, Rumba und allem anderen was gespielt wurde.

Am nächsten Tag war aber wieder Kultur und politische Geschichte angesagt; natürlich erst nachdem wir ausgeschlafen und gegen Mittag gefrühstückt haben.
Wir haben uns auf den Weg durch das historische Santiago gemacht, wobei wir unseren Spaziergang von hinten nach vorne gemacht haben, da wir quasi am falschen Ende von Santiago wohnten. Wir fingen es daher mit einem Besuch an der ehemaligen Kaserne Cuartes Moncada an und arbeiteten uns dann nach vorne, vorbei an den Stadtplätzen Marte und Dolores, an den Museen des Emilio Bacardi (der ‚vom Rum‘ ;)) und des Karnevals und den auf der gegenüberliegenden Strassenseite sitzenden und spielenden Musikers, sowie an Häusern einiger Künstler Santiagos.

Natürlich durfte ein kurzer Besuch auf der Dachterrasse des berühmten Hotels Casa Granda nicht fehlen, wo Fidel Castro hätte interviewed werden sollen, es aber durch äussere Umstände nicht dazu kam. Hier genossen wir natürlich ein erfrischendes Getränk – dieses Mal einen Mojito, um die Vielfalt zu wahren. 😉

Nach der Erfrischung gingen wir an der Kathedrale vorbei, durch die Parks und beendeten den offiziellen Teil des Spaziergangs im Stadtteil El Tivoli. Es ist als der schönste und bunteste von Santiago beschrieben; wir sahen das nicht ganz so, war aber nicht so schlimm.

Unseren Spaziergang krönte ein Besuch auf dem Santa Ifigenia Friedhof, wo Fidel Castro beerdigt wurde, der am 25. November 2016 verstorben ist.
Wie auf ganz Kuba herrscht auch hier Zucht und Ordnung. Wir mussten uns zuerst bei einer Ordnungshüterin registrieren lassen (also um ehrlich zu sein, fragte sie nur nach unserem Herkunftsland…. hier ist man als polnische Staatsbürgerin besser dran 😉 ). Dann wurden wir zur nächsten Dame geschickt, die uns den genauen Verlauf unserer Besichtigungstour auf dem Friedhof erklärte. Sobald wir nur einen Fuß in die falsche Richtung setzten, gab es irgendjemanden, der uns sofort berichtigte und auf den ‚richtigen’ Weg zurückwies. Als wir uns dem Grab von Fidel Castro näherten, wurde gerade zur Wachablösung geläutet. Also haben wir uns das auch angesehen, natürlich nur von einer vorher genau hingewiesenen Stelle aus. Die Wachablösung findet alle 30 Minuten statt, aber die Herren und Damen Soldaten scheuen nicht die weiblichen Touristen anzustarren, während sie Wache halten.
Nach der Wachablösung – die weniger vor dem Grab des Fidel Castro als dem Mausoleum des Jose Marti stattfindet – durften wir uns das Grab des einstigen Revolutionisten Kubas ansehen, ein Bild machen und mussten dann wieder in eine bestimmte Richtung weiter gehen. Der Santa Ifigenia Friedhof ist der erste Friedhof meiner Reise, wo ich mitten darin nach einem Eintrittsgeld (CUC 3) gefragt wurde. Wir haben abgelehnt es zu bezahlen. Damit war unser Besuch hier beendet und wir gingen zurück Richtung Innenstadt.

Santiago de Cuba hat mich leider nicht verzaubert, insbesondere da ich erfahren musste, dass es hier Rassismus gibt. Als ich in einem Geschäft eine Flasche Wasser kaufen wollte, aber leider nur die Touristenwährung (CUC) hatte statt der Moneta National (CUP), hat man mir gesagt, dass ich damit nicht bezahlten könnte, auch wenn es am Vortag möglich war. Als ich in einem Café einen Kaffee kaufen wollte, hat man mir gesagt, dass man keinen Kaffee an Weisse verkaufen würde – so glücklich ist man gar nicht hier, dass Touristen kommen. Die Stadt an sich ist auch nicht besonders schön und wie es schon im Reiseführer steht, man liebt oder hasst Santiago de Cuba, nur wenige bleiben gleichgültig – ich zähle mich eher zu den wenigen als zu einer der extremen Gruppen. Ich hatte hier eine nette Zeit, müsste aber nicht unbedingt zurückkommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s